COOLCITY Index 2026: So schneidet Ihre Stadt unter 100.000 Einwohnern ab
Die Klimakrise macht auch vor kleinen und mittleren Städten nicht Halt. Hitzewellen, Starkregen und Dürreperioden stellen Kommunen vor wachsende Herausforderungen. Doch wie können Städte ihren eigenen Handlungsbedarf objektiv bewerten und mit anderen vergleichen? Der COOLCITY Index bietet hierfür eine vielversprechende Antwort – und das völlig kostenlos.
Was ist der COOLCITY Index?
Der COOLCITY Index (CCI) ist eine kostenlose Online-Plattform, die das klimatische Anpassungspotenzial von mehr als 11.000 Städten in den 27 EU-Mitgliedsstaaten bewertet. Jede Stadt erhält eine Gesamtpunktzahl auf einer Skala von 0 bis 10, die Auskunft darüber gibt, wie gut ihr urbanes Umfeld auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet ist.
Der Index analysiert nicht, ob eine Stadt bereits viel für den Klimaschutz tut – er misst vielmehr die physische Beschaffenheit des Stadtraums: Wie viel Wasser kann versickern? Wie gesund und flächendeckend ist die Vegetation? Wie gut sind die thermischen Bedingungen?
Wozu dient der COOLCITY Index?
Der Index ist als Entscheidungshilfe für Kommunen konzipiert. Er soll lokalen Entscheidungsträgern – von Bürgermeistern über Verwaltungsmitarbeiter bis hin zu Stadtplanern – eine objektive, datenbasierte Grundlage für klimapolitische Maßnahmen bieten.
Konkret verfolgt der Index drei Hauptziele:
- Vergleichbarkeit schaffen: Städte können ihre Umweltleistung mit anderen Kommunen in Europa vergleichen.
- Handlungsbedarfe identifizieren: Die fünf Teilindizes zeigen, in welchen Bereichen die größten Defizite liegen.
- Fortschritte messen: Der Index wird jährlich aktualisiert und ermöglicht so ein langfristiges Monitoring.
Wie Łukasz Sławik, Mitglied der Geschäftsleitung von MGGP Aero, es formuliert: „COOLCITY Index 2026 übersetzt komplexe Informationen in ein einfaches Signal: Wo stehen wir und was können wir verbessern.“
Herausragende Beispiele: Gut und schlecht platzierte Städte
Die Spitzenreiter
Gesamtsieger unter allen 11.041 bewerteten Städten ist die polnische Kleinstadt Piwniczna-Zdrój mit einer beeindruckenden Punktzahl von 8,5 (nach anderen Quellen 8,0 im Durchschnitt aller Kategorien). Die Erfolgsfaktoren: Die Stadt erzielt eine perfekte Bodenversickerung von 10/10 – nur acht Prozent der Fläche sind versiegelt. Zudem erreicht sie 9,6/10 beim Zustand der Vegetation und hat die höchste Pflanzenbedeckung aller 11.000 untersuchten Städte. Ihre Lage in den Bergen und die lockere Bebauung schaffen einen komfortablen Mikroklima.
Unter den europäischen Hauptstädten führt Stockholm mit einem CCI-Wert von 6,7 das Ranking an, gefolgt von Vilnius (6,4), Riga (6,3) und Tallinn (5,9). Stockholm punktet vor allem mit einer hohen Bodenversickerung (8,4/10) – Regen kann hier weitgehend versickern, statt Überschwemmungen zu verursachen. Die Stadt ist von Wäldern und Naturschutzgebieten umgeben und investiert seit Jahren konsequent in die Pflege ihres Baumbestands – unter anderem durch sogenannte „Stockholm tree pits“, die auch unter versiegelten Flächen waldähnliche Bodenbedingungen schaffen.
Schlusslichter und regionale Unterschiede
Eine wissenschaftliche Analyse des Index zeigt deutliche geografische Unterschiede: Der niedrigste durchschnittliche CCI-Wert wird in Zypern (2,1) gemessen, der höchste in Finnland (7,1). Der Index korreliert stark mit dem Breitengrad (Städte im kühleren Norden schneiden besser ab) und der Bevölkerungsdichte (dünner besiedelte Städte haben höhere Werte). Das bedeutet: Gerade südeuropäische und dicht besiedelte Städte stehen vor besonders großen Herausforderungen.

Wie wird der Index gebildet? Die Datengrundlage
Der COOLCITY Index basiert auf einer Kombination aus Fernerkundungsdaten und künstlicher Intelligenz. Die Datengrundlage umfasst:
- Satellitendaten von öffentlich zugänglichen Missionen wie Sentinel-2 (ESA) und Landsat-8
- Luftgestützte Laserscans (LiDAR)
- Räumliche Analysen zur Stadtstruktur, zum Anteil von Grünflächen und zur Bebauung
Die Analyse basiert auf Daten aus dem Jahr 2025. Die Rohdaten werden in Rasterkarten überführt und daraus räumliche sowie integrierte Indikatoren berechnet. Das Ergebnis ist ein synthetischer Index, der einen länder- und stadtübergreifenden Vergleich ermöglicht.
Die fünf Bewertungskriterien im Detail
Der COOLCITY Index vereint fünf zentrale Anpassungsherausforderungen:
| Kriterium | Beschreibung |
|---|---|
| Bodenversickerung (Land Permeability) | Wie viel Regenwasser kann im Boden versickern? Ein Indikator für den Grad der Flächenversiegelung („Betonisierung“). |
| Zustand der Vegetation (Vegetation State) | Gesundheit, Dichte und Flächenanteil von Bäumen und Grünflächen. |
| Biodiversität (Biodiversity) | Die biologische Vielfalt und ökologische Kontinuität im Stadtgebiet. |
| Wasserhaushalt (Water Conditions) | Rückhaltepotenzial von Wasser sowie das Vorhandensein von Gewässern und Feuchtgebieten. |
| Thermische Bedingungen (Thermal Conditions) | Ausprägung von städtischen Wärmeinseln und kühlenden Bereichen. |
Diese fünf Komponenten wirken zusammen und können die urbane Resilienz entweder verstärken oder begrenzen.
Wer gibt den Index heraus? Initiator und Finanzierung
Der COOLCITY Index ist das Kernprodukt des LIFE COOLCITY-Projekts, einer EU-finanzierten Initiative zur Stärkung der Klimaresilienz von Städten.
Projektkoordinator ist das polnische Unternehmen MGGP Aero, das auf Luftvermessung und Fernerkundung spezialisiert ist. Weitere Partner sind die Universität Łódź, die Universität Warschau, das deutsche Ingenieurbüro Prof. Dr. Sieker GmbH sowie die Stadt Breslau als Pilotstadt.
Das Projekt wird im Rahmen des LIFE-Programms der Europäischen Union finanziert. Der Index selbst ist für alle Kommunen kostenlos zugänglich. Die Finanzierung der Erstellung und des Betriebs erfolgt somit aus EU-Mitteln und Projektpartnerschaften.
Welchen Nutzen können Städte aus dem Index ziehen? Drei Beispiele
1. Prioritäten für Investitionen setzen
Eine Stadt mit einem niedrigen Wert bei der „Bodenversickerung“ weiß, dass sie ein Versiegelungsproblem hat. Der Index liefert damit ein klares Signal für politische Entscheidungen: Soll das nächste Bauprojekt genehmigt werden oder ist es sinnvoller, in Entsiegelungsmaßnahmen und Grünflächen zu investieren? Die fünf Teilindizes helfen, begrenzte Haushaltsmittel dort einzusetzen, wo sie den größten Wirkung erzielen.
2. Vergleich mit ähnlichen Städten
Eine Kleinstadt unter 100.000 Einwohnern kann ihren CCI-Wert mit Städten vergleichbarer Größe und Lage abgleichen. Das erlaubt einen realistischen Blick auf die eigene Position – und die Möglichkeit, von Best-Practice-Beispielen zu lernen. Städte mit ähnlichen Herausforderungen können sich zusammenschließen und gemeinsam Lösungen entwickeln.
3. Fortschritte sichtbar machen
Der jährlich aktualisierte Index ermöglicht es einer Stadt, ihre Entwicklung über die Zeit zu verfolgen. Eine Kommune, die in Blau-Grün-Infrastruktur investiert – etwa durch Baumpflanzungen, Entsiegelung oder die Anlage von Retentionsflächen – kann die Wirkung dieser Maßnahmen im nächsten Index-Jahrgang objektiv messen und nachweisen. Das ist nicht nur für die interne Steuerung wertvoll, sondern auch für die Kommunikation gegenüber Bürgern und Fördermittelgebern.
Kritik an dem Konzept
Trotz seiner Nützlichkeit ist der COOLCITY Index nicht frei von Kritikpunkten:
1. Starke geografische Verzerrung
Der Index korreliert stark mit dem Breitengrad – Städte in Nordeuropa schneiden systematisch besser ab als solche im Süden. Das liegt zum Teil an den natürlichen klimatischen Bedingungen, nicht an der Qualität der Stadtplanung. Südeuropäische Städte werden dadurch benachteiligt, obwohl sie oft besonders aktiv im Klimaschutz sind.
2. Keine Berücksichtigung von Maßnahmen
Der Index misst den Ist-Zustand der urbanen Umwelt, nicht die Anstrengungen, die eine Stadt unternimmt. Eine Stadt, die gerade große Anstrengungen zur Entsiegelung unternimmt, kann im Index schlecht abschneiden, weil die Wirkung erst Jahre später sichtbar wird.
3. Begrenzte Aussagekraft für Kleinstädte
Für sehr kleine Städte können Satellitendaten an ihre Auflösungsgrenzen stoßen. Zudem sind die Herausforderungen von Kleinstädten oft andere als die von Großstädten – der Index bietet hier nur eingeschränkt maßgeschneiderte Aussagen.
4. Reduktion auf fünf Indikatoren
Klimaresilienz ist ein komplexes Thema, das sich nicht auf fünf Kennzahlen reduzieren lässt. Soziale Faktoren, wirtschaftliche Anpassungsfähigkeit oder die Qualität der Verwaltungsstrukturen bleiben unberücksichtigt.
Fazit: Ein wertvolles Werkzeug – aber kein Selbstläufer
Der COOLCITY Index ist ein bahnbrechendes Instrument für Städte, die ihre Klimaresilienz objektiv bewerten und verbessern wollen. Er liefert – anders als viele subjektive Rankings – eine datenbasierte, vergleichbare und kostenlose Grundlage für politische Entscheidungen.
Für Städte unter 100.000 Einwohnern bietet der Index eine einmalige Chance: Sie können sich mit Städten in ganz Europa messen, ohne aufwändige eigene Erhebungen durchführen zu müssen. Die fünf Teilindizes zeigen klar, wo der Schuh drückt – und wo die eigenen Stärken liegen.
Allerdings sollte der Index nicht als alleiniges Entscheidungskriterium missverstanden werden. Er ist ein Kompass, kein Navigator. Die geografischen Verzerrungen und die mangelnde Berücksichtigung von bereits ergriffenen Maßnahmen relativieren die Aussagekraft. Klug eingesetzt – als Startpunkt für Diskussionen, als Grundlage für Prioritätensetzungen und als Instrument für langfristiges Monitoring – kann der COOLCITY Index jedoch ein wertvoller Begleiter auf dem Weg zur klimaresilienten Stadt sein.
Besuchen Sie coolcity.eu und prüfen Sie jetzt den CCI-Wert Ihrer Stadt!

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