1. Was ist Campus42?
Campus42, oft einfach als 42 bezeichnet, ist ein Bildungsmodell für Softwareentwicklung und digitale Kompetenzen, das ohne klassische Lehrkräfte, Vorlesungen oder Stundenpläne auskommt. Es handelt sich dabei um eine kostenlose Programmier- und Tech-Schule, in der Studierende durch projektbasiertes Lernen und gegenseitige Zusammenarbeit technische und überfachliche Fähigkeiten erwerben. Der Ansatz ist radikal anders als traditionelle Hochschulen: Statt Vorträge zu hören, bearbeiten Lernende reale Aufgaben, lernen selbstorganisiert und helfen sich gegenseitig.
In Deutschland sind unter dem Dach von 42 mehrere Standorte aktiv, darunter 42 Heilbronn, 42 Berlin und 42 Wolfsburg, die Teil des internationalen Campus42-Netzwerks sind und auf denselben Lehr- und Lernprinzipien basieren.
2. Herkunft und Entwicklung des Konzepts
Ursprung und Hintergrund
Die Wurzeln von Campus42 liegen in Paris, wo 2013 die erste 42-Schule gegründet wurde. Die Idee entstand als Antwort auf einen massiven Fachkräftemangel in der IT-Branche und auf Kritik am traditionellen Bildungswesen. Viele klassische Lehrmodelle sind stark theorielastig und wenig praxisorientiert, was in einer schnelllebigen digitalen Welt häufig hinter aktuellen Anforderungen zurückbleibt. 42 sollte deshalb eine inklusivere, praxisnähere und demokratischere Aus- und Weiterbildung bieten, die Sachkompetenz und Problemlösungsfähigkeit in den Mittelpunkt stellt – unabhängig von Schulabschluss, Herkunft oder Alter.
Internationale Verbreitung
Seit den ersten Jahren hat sich das Konzept weltweit verbreitet. Das Netzwerk umfasst heute mehr als 50 Standorte in über 30 Ländern. Studierende aus unterschiedlichsten Kulturen und Erfahrungshintergründen lernen gemeinsam, was dem Modell einen internationalen, vernetzten Charakter verleiht. Auch in Deutschland wächst Campus42: Neben Heilbronn und Wolfsburg gibt es weitere Campus, etwa in Berlin.
3. Wesentliche Elemente des Konzepts – Das Geheimnis von Campus42
Peer-to-Peer-Lernen
Ein zentrales Element ist das Peer-Learning: Es gibt keine Professorinnen oder Professoren, sondern Studierende, die gemeinsam lernen, Herausforderungen lösen und sich gegenseitig Feedback geben. So entwickeln sie nicht nur technisches Wissen, sondern auch Team- und Kommunikationsfähigkeiten.
Projektbasiertes Lernen
Das Curriculum ist vollständig projektorientiert. Studierende bearbeiten reale Aufgaben, die zunehmend komplexer werden und verschiedene Aspekte der Softwareentwicklung abdecken. Theorie wird dort eingesetzt, wo sie für ein Projekt benötigt wird – Lernen durch Tun steht im Vordergrund.
Selbstorganisation und Gamification
Studierende strukturieren ihre Lernzeit selbst und arbeiten in ihrem eigenen Tempo. Der Lehrplan ist gamifiziert: Themen werden wie Level freigeschaltet, wenn bestimmte Aufgaben erfolgreich abgeschlossen wurden. Das schafft Motivation und klare Lernpfade ohne formelle Prüfungen oder Noten.
Offenheit und Zugang
Der Zugang ist offen: Es werden keine formalen Voraussetzungen wie Schulabschlüsse oder vorherige Programmiererfahrung verlangt. Die einzige Voraussetzung ist Motivation. Der Lehrbetrieb ist gebührenfrei, finanziert oft durch Partnerschaften mit Unternehmen und Stiftungen.
Das „Geheimnis“
Das Besondere am Campus42-Konzept ist die Kombination aus freiheitlichem Lernen, realen Aufgaben, gegenseitiger Verantwortung und Community. Studierende lernen nicht für Prüfungen, sondern für die Anwendung in echten Projekten – oft in Teamarbeit. Damit erwerben sie Kompetenzen, die sie befähigen, in der Tech-Branche erfolgreich zu sein.
4. Beispielbesuch – Ein Tag im Leben einer 42-Studierenden
Lena ist 21 Jahre alt und studiert am Campus42 in Wolfsburg.
An einem typischen Morgen betritt sie das offene Gebäude – die Learning SpaceShip, wie viele Studierende den Campus liebevoll nennen. Es ist Vormittag, und Lena setzt sich mit ihrem Team an einen Tisch, wo heute eine Herausforderung wartet: Sie arbeiten an einem Projekt zur Implementierung eines sicheren Netzwerk-Protokolls.
Es gibt keine Lehrkraft, aber ein pädagogisches Team ist vor Ort, um den Lernraum zu unterstützen und technische Probleme zu moderieren. Lena und ihre Teammitglieder teilen ihr Wissen über Programmierkonzepte, recherchieren gemeinsam Lösungen und überprüfen gegenseitig Code-Module.
Mittags hält Lena an ihrem Laptop eine kurze Videokonferenz mit Studierenden aus Heilbronn, um an einem intercampus Projekt zu arbeiten – das Netzwerk und die Community erstrecken sich über Ländergrenzen hinweg. Am Nachmittag arbeitet sie weiter an Projekten zur künstlichen Intelligenz, die im 42-Curriculum integriert sind, und durchläuft nach und nach die Herausforderungen, die als Levels eines Spiels aufgebaut sind.
Am Abend trifft sich Lena mit einigen Kommilitoninnen und Kommilitonen zum Hackathon-Club, der sich nach dem offiziellen Campusprogramm gebildet hat. Lernen und Gemeinschaft sind bei Campus42 eng verwoben – kollaboratives Arbeiten gehört zum Alltag.
5. Fazit
Das Lernkonzept von Campus42 ist ein radikaler Gegenentwurf zur traditionellen Ausbildung. Weg von Vorlesungen, Prüfungen und Dozenten – hin zu selbstgesteuertem, projektbasiertem und peerorientiertem Lernen. Studierende lernen nicht nur Programmieren, sondern auch Teamarbeit, Problemlösung und Selbstorganisation. Damit bereitet Campus42 Menschen auf eine sich wandelnde Arbeitswelt vor, in der technische Kompetenz, Anpassungsfähigkeit und kreatives Denken gefragt sind. Die gebührenfreie, offene Struktur macht das Modell zugleich zu einem sozialen Bildungsraum, der Talente unabhängig von Herkunft oder Abschluss sichtbar macht.
Campus42 zeigt, wie Lernen aussehen kann, wenn Verantwortung, Gemeinschaft und Praxis im Mittelpunkt stehen – und nicht allein formale Zertifikate.
Links
- 42 Network (globales Netzwerk der Schulen): https://42network.org/ 42 The Network
- 42 Germany – Überblick über Standorte: https://42germany.de/ 42germany.de
- 42 Heilbronn: https://www.42heilbronn.de/
- 42 Wolfsburg: https://42wolfsburg.de/
- 42 Berlin: https://42berlin.de/
- Ursprüngliche Ecole 42 in Paris: https://42.fr/

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