Abseits der weit verbreiteten Angebote, bei denen Helfer Flüchtlingen helfen, gibt es viele kreative, selbstbestimmte und wirtschaftlich orientierte Ansätze, bei denen Geflüchtete selbst aktiv werden, neue Rollen einnehmen und Integration durch Eigeninitiative, Unternehmertum und Beiträge an die Gemeinschaft erreichen. Diese Initiativen wirken oft stärker gegen Vorurteile, weil sie Leistung, Sichtbarkeit und Teilhabe schaffen. Solchen Angeboten soll an dieser Stelle eine besondere Bühne geboten werden.
Projekte dieser Art wirken of auf andere Weise:
A. Eigenleistung & Sichtbarkeit
Eigeninitiativen wie selbstgeführte Unternehmen, Radios oder interkulturelle Projekte rücken Geflüchtete in die Rolle von Beitragenden statt nur Empfänger*innen – ein entscheidender Faktor für Akzeptanz in der Gesellschaft.
B. Netzwerke schaffen Beziehungen
Projekte, die gemeinsam mit Einheimischen realisiert werden (z. B. Fahrradwerkstätten, Gärten oder Medienprojekte), schaffen soziale Beziehungen und Wohlwollen, weil Menschen aus verschiedenen Gruppen zusammenarbeiten.
C. Wirtschaftliche Teilhabe ist Integration
Selbstständige Ideen oder Arbeitsprojekte, die auf wirtschaftlicher Leistung fußen, erhöhen Selbstvertrauen, Einkommen und Anerkennung – und wirken direkt gegen Narrative wie „Flüchtlinge kosten nur Ressourcen“.
D. Eigene Stimme & Repräsentanz
Initiativen wie die folgenden Radios, Podcasts oder künstlerische Projekte geben Geflüchteten eine Stimme, die gehört wird und die öffentliche Erzählung über Migration mitprägt – nicht nur empfängt.
Beispiele und Ideensammlung
Manche der Beispiele stammen aus anderen Ländern der Welt und sind teilweise sogar in Flüchtlingslagern der Vereinten Nationen oder ähnlicher Organisationen entstanden. Hier wird man überlegen müssen, wie das in deutschen Kommunen und mit den bestehenden rechtlichen Rahmenbedingungen umgesetzt werden kann. Es geht aber mehr als man so denkt…
Die Beispiele sollen der Inspiration dienen und sind nicht unbedingt dafür da, 1:1 kopiert zu werden. Aber wenn die Grundprinzipien verstanden sind, sollten sich eigene Aktivitäten entwicklen lassen.
Flüchtlings‑geführtes Unternehmertum (Refugee Entrepreneurship)
Refugee Entrepreneurship bezeichnet Unternehmen, die von Geflüchteten selbst gegründet werden und aktiv Arbeitsplätze schaffen – auch für Einheimische. Diese Projekte bekämpfen negative Wahrnehmungen und zeigen Mehrwert durch Eigenleistung, nicht nur durch das Bild des klassischen Hilfeempfängers. Generell wird damit Diskriminierung aktiv entgegengewirkt, weil Flüchtlinge als Unternehmer wahrgenommen werden und Einkommen generieren. Globale Beispiele zeigen, dass viele kleine Firmen Arbeitsplätze schaffen und stabile Einkommen generieren.
Beispiele und Wirkung:
– Geflüchtete gründen Firmen, die Arbeitsplätze für andere Geflüchtete und Einheimische schaffen.
– Sie helfen, Vorurteile abzubauen, weil sie Beitragende, nicht nur Nutzende sind.
– Solche Initiativen stärken wirtschaftliche Integration und Selbstständigkeit.
Ein paar Beispiele werden auf der Webseite des International Rescue Committee (IRC) gegeben. Das IRC ist eine humanitäre Hilfsorganisation, die entlang des Spektrums von Nothilfe bis Integration und Entwicklungszusammenarbeit tätig ist. Sie listet hier einige Beispiele für Refugee-Entrepreneurship auf. Weitere Beispiele und mehr zu Wirkweisen solcher Projekte finden Sie auch in einem umfangreichen Artikel des IFRC.
Refugee Radio Network (Deutschland)
– Gegründet von und für Geflüchtete in Hamburg.
– Betreibt ein Internetradio mit Programmen zu Bildung, Gesundheit, Umwelt, Flucht‑ und Migrationsfragen, oft aus Perspektiven von Menschen mit Fluchterfahrung.
– Diese Plattform gibt Flüchtlingen lautstarke Präsenz, fördert Dialog und erhöht Sichtbarkeit und Verständnis in der Gesamtgesellschaft.
– Stereotypen werden schwieriger, weil Geflüchtete als Meinungsführer, Moderatorinnen und Gestalter auftreten, nicht nur als Zuhörer.
Hier gehts zum Refugee Radio Network.
„Rückenwind“ – Fahrradprojekt mit Integrationswirkung (Berlin)
– Entstand 2015 als Nachbarschaftsprojekt in einer Wohngemeinschaft mit Geflüchteten.
– Ziel: Ankommen durch Mobilität – Fahrradlernen, Reparaturen, Touren und Workshops gemeinsam mit Menschen aus über 20 Ländern.
– Die Initiative ist ein Beispiel dafür, wie ein Projekt aus der Community heraus entsteht und nicht nur serviceorientiert, sondern aktiv vernetzungsstiftend wirkt.
Hier gehts zu Rückenwind.
Internationale und Interkulturelle Gärten
– Projekte wie die „Intercultural Gardens“ fördern Teilhabe über gemeinsame Arbeit, Ernährung und Kultur.
– Geflüchtete bringen ihr Wissen über Gartenbau und traditionelle Pflanzen ein, bauen gemeinsam Lebensmittel an, und schaffen so Begegnungen im Alltag.
– Diese Gärten schaffen räumliche Nähe, Alltagsinteraktionen und persönliche Zusammenarbeit.
In diesem Bereich gibt es einige Projekte, zum Beispiel hier, hier oder auch hier.
Clarkston AR Gateways Project (USA)
- Ein innovatives Beispiel eines Projekts, bei dem Geflüchtete Augmented Reality (AR) nutzen, um ihre Geschichten im öffentlichen Raum sichtbar zu machen.
- Ziel ist nicht nur Integration, sondern kulturelle Sichtbarkeit, Selbstvertretung und kollektive Identität, die aktiv in Stadtlandschaften eingebettet wird.
Einen Bericht zu diesem Projekt finden Sie hier.
Community‑Media‑Spaces
Hier betreiben Geflüchtete Lokale Radios oder Online‑Magazine von Geflüchteten für alle. Das fördert Sichtbarkeit, Stimme und Medienkompetenz.
Ein Beispiel wird hier beschrieben.
Refugee‑led Food Entrepreneurs
Geflüchtete betreiben Restaurants, Food‑Trucks oder Catering. So wird die eigene Kultur sichtbar, es schafft Arbeitsplätze und lädt zum Austausch ein.
Zum Beispiel Flavors From Afar – Restaurant in Los Angeles mit wechselnden refugee‑Chefköchen unterstützt durch gemeinnützige Programme. Oder Das Projekt „Boundless Kitchen“ aus Dänemark.
Refugee Digital Livelihood Programs
Geflüchtete werden in den digitalen Werkzeugen geschult, um zugewährleisten, dass sie Zugang zu digitaler Arbeit und allem, was die digitale Wirtschaft zu bieten hat, haben. Das Programm vermittelt digitale Schulungen und Jobs in Tech/Remote-Work und gibt so einen Zugang zu globaler Arbeit ohne lokale Sprachbarriere.
Ein Beispiel dazu beschreibt der German Marshal Fund.
Intercultural Skill‑Sharing Days
– Workshops, in denen Geflüchtete und Einheimische Fähigkeiten tauschen.
– Erfolge: Aufbau sozialer Netzwerke und Kompetenztransfer.
Sport treiben und Deutsch lernen
– Gruppen für gemeinsames Sporttreiben mit lokaler Öffentlichkeit.
– Die Sporthalle ist so nicht nur Sportstätte sondern vor allem Ort der Begegnung.
– Erfolge: Gesundheit, Netzwerke, Gemeinschaftsgefühl.
Ein Beispiel dazu findet sich bei der PASCH‑Initiative.
Refugee 3D‑Printing/Makerspaces
– Co‑Working‑Spaces mit Technologie‑Zugang für Projekte.
– Erfolge: Innovation, Zusammenarbeit, Produktentwicklung.
Die Idee basiert auf den Business Incubator‑Ansätzen für Geflüchtete, kann aber auch eigenständig stehen als offener Makerspace, in dem Einheimische und Geflüchtete jeder für sich oder auch gemeinsam am Projekten arbeiten.
Community Pop‑Up Markets
- Geflüchtete betreiben eigene Marktplätze mit Waren, Kunst, Food aus den Herkunftskulturen.
- Erfolge: Wirtschaftliche Teilhabe und interkultureller Austausch.
Refugee‑led Podcast Channels
- Podcasts, moderiert von Geflüchteten.
- Erfolge: Plattformen für Stimme und Austausch.
Refugee Integration AR Trails
- Beschreibung: Lokale interaktive Stadtwege mit Geschichten der Community.
- Erfolge: Tourismusfördernd, inklusiv, sichtbar.
Refugee Food Truck Initiatives
- Mobile Culinary Businesses von Geflüchteten.
- Erfolge: Kulinarische Vielfalt und soziale Interaktion.
Beispiel/Link: Soufra Kitchen – Catering aus Refugee Camp
Refugee‑Led Wellness & Nature Groups
- Beschreibung: Natur‑ oder Outdoor‑Aktivitäten organisiert von Geflüchteten.
- Erfolge: Soziale Gesundheit und Austausch.
Beispiel/Link: Peaks4All – Mountaineering für Integration (Schweiz)
Community‑Based Child Education Projects
- Beschreibung: Lern‑Clubs, die von Flüchtlingsfamilien organisiert werden.
- Erfolge: Bildungsmotivation und Peer‑Learning.
Refugee‑Led Art & Public Performances
- Beschreibung: Kunstprojekte im öffentlichen Raum.
- Erfolge: Sichtbarkeit und kulturelles Verständnis.
Sammlung von Praxisbeispielen dee „International Federation of Red Cross and Red Crescent Societies“ (IFRC), des größten humanitären Netzwerks der Welt: Link
Sammlung von drei Beispielen auf der Seite des Institute of Enrtrepreneurship Development

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